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Persönlichkeitsstrukturen 23. September 2011

Posted by lehrergehrke in Analysen.
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So lange konnten wir jetzt unsere Pflegekinder beobachten, ihr Verhalten und ihre Bedürfnisse. Wir kennen sie besser als jeder sonst. Wir tragen Konflikte aus, für die die Gründe in ihrer Vergangenheit liegen. So langsam formt sich für mich aus allem ein Bild. Es hilft mir zu verstehen und zu helfen.

Persönlichkeitsstruktur sozial geschädigter Kinder

Die Persönlichkeitsstruktur sozial geschädigter Kinder ist beeinflusst durch ihre Erfahrungen, die sie in der Vergangenheit gemacht haben, also Vernachlässigung und Missbrauch. Sie bedingten ein bestimmtes Verhalten: Nahrungsbeschaffung um jeden Preis, Vermeidungsstrategien, distanzloses Verhalten gegenüber Fremden. Diese Erfahrungen und das erlernte Verhalten schlagen auf die Gegenwart durch. Sie entwickeln eine unbewusste Schattenseite, die fortan Teil ihrer Persönlichkeit ist. Die spaltet das Kind jedoch ab. Es behauptet in der Therapie: “Das bin ich doch gar nicht!” Deshalb ist es so schwer, diese unbewusste, verdrängte Seite zu heben. Sie bleibt meist abgespalten von der Gegenwart. Der Zugang bleibt verwehrt. Nur eine Traumatherapie kann ihn öffnen.

In der Gegenwart zeigt das Kind jedoch Freude und Zuneigung, die sich jedoch mit den durchschlagenden Erfahrungen und dem entsprechenden Verhalten innerhalb von Minuten abwechseln können. Es kommt dann zu Dissoziationen oder Übertragungen von Erfahrungen und Situationen auf die gegenwärtige Bezugsperson, also die Pflegemutter oder den Pflegevater. Das Kind vermittelt zwar den Eindruck, nur im Hier und Jetzt zu leben und blendet die Vergangenheit völlig aus. Tatsächlich aber ist es ständig von seiner Vergangenheit beeinflusst. So kommt es zu unerklärlichen Sachbeschädigungen, Diebstähle. Um diese zu vertuschen, aber auch weil die Erinnerung in der anderen, unbewussten Persönlichkeit liegt, lügt und leugnet das Kind. Daher ist es auch nicht schuldfähig; eine Einsicht kann nicht erwartet werden.

Situation in der Pflegefamilie

Konkret wurde das Kind vielleicht angehalten, Geheimnisse zu hüten, also Fehlverhalten der Eltern nicht preis zu geben, was bei ihm eine andauernde emotionale Vereinsamung bedingt. Dieser Zwang führt dazu, dass das Über-Ich, die normierende Instanz, ausgeschaltet wird. Immer wieder kommt es zu Normverletzungen, die als solche nicht gesehen werden. Das Kind hat diese Normverletzungen ja für überlebenswichtig erfahren und kommt dadurch natürlich in einen Konflikt mit der Anpassungsleistung, die es in der Pflegefamilie, aber auch in der Schule und im Freundeskreis zu erbringen hat und aus der ihm Vorteile in Form von positiver Zuwendung erwächst, die es so dringend nötig hat. Erbringt es diese Anpassungsleistung nicht, kann das jedoch bedeuten, dass die bisher erfahrene negative Zuwendung und Aufmerksamkeit (Nichtachtung, Strafe) sich verstetigt und immer wieder provoziert wird.

Für die Pflegefamilie bedeutet das, dass sie in der ständigen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der traumatisierten Kinder steht. Ständig ist sie konfrontiert mit dissoziativen Situationen, in denen die Kinder aus der Gegenwart zu verschwinden scheinen und in ihrer Vergangenheit leben, Diebstählen zum Erhalt der Nahrungsgrundlage, auch wenn es genug zu essen gibt und unmotivierten Wutausbrüchen, in denen das Kind die Wut auf die Herkunftseltern auf die Pflegeeltern überträgt, dicht gefolgt von Phasen der Zuneigung und Einsicht. Diese Situation bedingt Stress für die gesamte Pflegefamilie und führt manchmal auch zum Abbruch des Pflegeverhältnisses. Das jedoch ist für alle Beteiligten die schlechteste Variante und hinterlässt Spuren bei allen Beteiligten. Besonders bei den Pflegekindern kommt es zu einem erneuten Bindungsabbruch und kann das ganze Leben negativ beeinflussen.

Deshalb kann man Pflegeeltern mit traumatisierten Pflegekindern nur empfehlen, sich so früh wie möglich nach einer professionellen Traumatherapie für die Kinder und für sich selbst nach einer guten Supervision umzusehen, um die Familie zu stabilisieren, auch wenn das bedeutet, in Auseinandersetzung mit dem zuständigen Jugendamt zu gehen.

Ein Anbahnungsbericht 22. Mai 2011

Posted by lehrergehrke in Analysen.
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Sehr geehrte Frau Schilling,

im Hinblick auf eine Pflegkindschaft für beide o.g. Kinder möchten wir Ihnen den neuesten Stand der Entwicklung aus unserer Sicht schildern.

Entwicklung der Kontakte zu den Kindern

Nach unserem gemeinsamen Anfangskontakt am 28.10. haben wir in enger Absprache mit den Erzieherinnen und insbesondere der Teamleitung insgesamt bisher vier Termine realisiert. Dabei konnten wir feststellen, dass die Kinder sehr schnell ein herzliches Verhältnis zu uns aufbauten. Wir haben dabei sowohl Aktivitäten innerhalb der Einrichtung wie auch außerhalb (Spaziergänge, Spielplatzbesuche) unternommen.

In nächster Zukunft sind Besuchstermine in unserem Haus sowie mehrtägige Beurlaubungen von der Einrichtung geplant. Der erste Termin bei uns zuhause war mit Begleitung von Erzieherinnen geplant, kann aus dienstlichen Gründen jedoch so leider nicht stattfinden.

Entwicklungsstand der Kinder

Jens und Petra sind aus unserer Sicht freundliche, aktive, normal entwickelte Kinder. Einschränkend haben wir festgestellt, dass Jens große Schwierigkeiten mit dem Ausdrucksvermögen und der Artikulation hat, die sich offensichtlich besonders nach häufigen Kontakten mit den leiblichen Eltern und anderen Familienangehörigen zeigen. Auch bei Petra konnten wir eine gewisse Orientierungslosigkeit beobachten. Den Grund hierfür sehen wir darin, dass sich die Kinder z.Zt. auf eine Vielzahl von Bezugspersonen einstellen müssen, die Schwierigkeiten bei der Verarbeitung verursachen. Insofern halten wir eine behutsame Überführung in eine Pflegschaft für angezeigt, die wir als Bezugspersonen systematisch aufbauen. In dieser Phase befindet sich unsere Anbahnung momentan. Deshalb befürworten wir eine weitere Gewöhnung durch zeitweise Beurlaubungen aus der Einrichtung.

Form der Pflegschaft

Aus dem Gesagten ergibt sich aus unserer Sicht, dass eine Kurzzeitpflege für Jens und Petra aus pädagogischen Gründen nicht in Frage kommt. Zur Stabilisierung der Situation der Kinder halten wir ein auf Dauer angelegtes Pflegeverhältnis für angebracht, wobei die Rolle der Herkunftsfamilie in diesem Stabilisierungsprozeß genau beschrieben werden muß. Wir halten es nicht für hilfreich, sollten Kontakte zur Herkunftsfamilie die Situation der Kinder destabilisieren. Ein konkretes Vorgehen möchten wir einer Hilfekonferenz vorbehalten.

Weitere zeitliche Perspektive

Perspektivisch stellen wir uns vor, unser Verhältnis zu den Kindern weiter zu festigen. Wir stellen uns dafür eine Phase von ein bis zwei Monaten vor. In diesem Zeitrahmen könnten Beurlaubungen aus der Einrichtung zur Eingewöhnung in unsere Familie genutzt werden. Dazu würden sich Ferienzeiträume wie die Zeit zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel besonders eignen. Die zwei ersten Februarwochen könnten je nach Fortschritt der Anbahnung einen Übergang in die Pflegschaft bilden. Diese Form der behutsamen Anbahnung würde für die Kinder zu einem reibungslosen Übergang in die Pflegefamilie führen, so dass die Eingewöhnung wenig Probleme verursachen würde.

Der erste Zeitraum der Pflegschaft

Unserer Erfahrung nach ist der Beginn der Pflegschaft besonders wichtig und stellt Weichen für die kommende Zeit. Deshalb denken wir die vorübergehende Beurlaubung der Pflegemutter aus erzieherischen Gründen an. Gerade die Phase der Einschulung für Petra, die für sie eine Umstellung ihres Lebensrhythmus bedeutet, wäre damit leichter zu bewältigen. Voraussetzung hierfür wäre allerdings unter allen Umständen die materielle Absicherung der Lebensumstände durch einen Pflegevertrag, der auf Dauer angelegt ist. Auch würde damit die eventuelle spätere Unterbringung der Kinder in einer Kindertagesstätte vereinfacht.

Folgerungen

Unserer Ansicht nach wäre ein behutsamer Übergang der Kinder in eine Pflegefamilie im vorliegenden Falle angebracht. Sollte aus pädagogischen Gründen ein schnellerer Übergang wünschenswert sein, möchten wir unsere persönliche Situation soweit absichern, dass wir dieser wichtigen Aufgabe ohne Schwierigkeiten nachkommen können. Dies gilt insbesondere für unsere berufliche Situation.

Wir freuen uns auf eine vertrauensvolle, intensive Zusammenarbeit.

Genaue Vorstellungen von einem Anbahnungsprozess wie diese hier scheinen eher weniger hilfreich zu sein. Jugendämter wollen gern das Konzept des Handelns behalten und darüber bestimmen, wann und wie die Kinder in eine Pflegefamilie vermittelt werden. Deshalb während der Anbahnung schön unauffällig bleiben.

Grundlage für ein gelingendes Zusammenleben in der Familie 16. Februar 2010

Posted by lehrergehrke in Analysen.
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Jede Familie kommt irgendwann an den Punkt, wo die Mitglieder nicht mehr mit einander, sondern neben einander her leben oder sogar gegen einander handeln. Das kann schlimmstenfalls zum Zerbrechen der Familie führen.

Als es bei uns so weit war, habe ich eine Art Vertrag erstellt, zu dem ich von jedem die unbedingte Zustimmung verlangt habe. Natürlich klappt die Verwirklichung nicht auf Anhieb, aber jeder hat eine Basis, auf der er die anderen an die Zustimmung erinnern kann und auch sich selbst daran messen und messen lassen kann.

Die Familie ist für jeden, aber insbesondere für Pflegekinder, und besonders für solche die traumatisiert sind, die Menschen, auf die sie zurück fallen können, wenn es mal im Leben hart wird und denen er bedingungslos vertrauen und von denen er parteiliche Unterstützung erwarten kann.

Allgemeine Verpflichtung

Jedes Familienmitglied verpflichtet sich bedingungslos, das Beste zur Familie beizutragen, alles zu unterlassen, was ihr und ihren Mitgliedern schadet und sie in Verruf bringt. Jeder gesteht den anderen zu, dass sie das Beste in jeder Hinsicht geben.

Details

  • Jeder erledigt seine Aufgaben rechtzeitig und so sorgfältig wie möglich.
  • Jeder gesteht dem anderen Fehler zu.
  • Jeder akzeptiert den anderen, wie er ist.
  • An mindestens zwei Tagen der Woche besprechen wir die Situation (z.B. Mittwoch Abend und Sonntag nach dem Frühstück, wenn die Woche geplant wird).
  • Wünsche des anderen werden akzeptiert und möglichst erfüllt.
  • Jeder erfüllt seine Rolle als Mutter, Vater oder Kind.

Rollen in unserer Familie

  • Mutter / Ruth: Emotionen, Arbeit, Aufgaben (Haushalt), Planung des Einkaufs
  • Vater / Nico: Beratung und Problemlösung, Hilfen mit Arbeit und Schule, Arbeit, Einkauf, Aufgaben im Haushalt
  • Kind / Jeannett: Schule, Katzen füttern, Tisch decken
  • Kind / Susann: Schule, mit Wäsche helfen, Tisch abräumen

Gemeinsame Unternehmungen, die allen Spaß machen:

Regelmäßig Schwimmen, Radtouren, Ausflüge am Wochenende, Urlaub, Haus und Garten (Pflanzen, Gießen)

Auswirkung der Traumatisierung auf die Schule 12. Februar 2010

Posted by lehrergehrke in Analysen.
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Schule ist eine Institution. Schule ist für den Durchschnitt ausgelegt und nicht für unsere traumatisierten Pflegekinder. Lehrer sind keine Sozialarbeiter, sondern sollen Wissen vermitteln. Deshalb wissen sie von den Auswirkungen, die Traumatisierungen auf das Lernen und Verhalten unserer Pflegekinder so gut wie nichts.

Dies ist eine Zusammenstellung von auslösenden Faktoren und Folgen in der Schule, die ich in einer Konferenz mit Klassenleiterin und Schulleiter in der Grundschule präsentiert und erläutert habe.

Beide Kinder

fehlende Bindung Schwierigkeiten, sich auf jn. einzulassen =>Lehrerwechsel!

Kaum Kontakt zu Schülern, meist jüngere

Vernachlässigung Probleme mit Hygiene u. Körperempfinden
Heimaufenthalt Wechselnde Bezugspersonen i.V. mit LM bei Besuchskontakten
sexueller Mißbrauch Gestörtes Verhältnis zu Männern =>Lehrer

Lolita-Syndrom

Aufnahme in die Pflegefamilie Völlig neue Situation, anders als bisher, fremd, z.T. angstbesetzt, Kaputtmachen schöner/positiver Situationen
Überanpassung Wohlverhalten gegenüber fremden Personen vom Aufbau einer Bindung bis zur Distanzlosigkeit
dissoziatives Verhalten Nicht-normgerechtes Verhalten, Flashbacks, traumatisierende Situation wird abgespalten

Jeannett:

Versorgerkind Mußte Eltern und Schwester versorgen und beaufsichtigen u. sich selbst versorgen
Verantwortung für Eltern und

Schwester

Verantwortung u. mittelpunktstrebig, schnell zu enttäuschen, schnell überfordert, aber ehrgeizig
Ohrenzeugin einer Straftat Flashbacks möglich, Geheimhaltung

Susann:

Vernachlässigung speziell Muß sich selbst versorgen, Diebstahl, Ängste
Opferrolle und Gefühl, nicht erwünscht zu sein
Keinerlei Verantwortung für eigenes Handeln, wie z.B. Arbeitsmaterial, Sportsachen.
Augenzeugin einer Straftat Flashbacks und Dissoziation
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