jump to navigation

Gedanken eines traumatisierten Kindes 28. Februar 2012

Posted by lehrergehrke in Die Wende.
Tags: , , , , ,
add a comment

Dies ist ein Gedicht eines traumatisierten Kindes an seine Mutter. Es zeigt die Gefühle, den Schrei nach Geborgenheit, die nicht erfüllten Erwartungen. All das wird es ein Leben lang mit sich herum tragen.

Die Autorin hat der Veröffentlichung an dieser Stelle zugestimmt. Danke dafür.

Mama,

sag mir,

warum musste das alles passieren?

Warum hast du mich nicht beschützt?

Ich habe dich so oft um Hilfe gebeten,

doch du hast nie reagiert!

Mama,

sag mir,

warum musste das alles passieren?

Hast mir so viel genommen,

hast mich so oft verletzt,

warst nie für mich da!

Warum?

Mama,

sag mir,

warum hast du mir Papa genommen?

Warum hast du mich geschlagen?

Warum wolltest du dich umbringen,

als ich noch klein war?

Mama,

sag mir,

warum musste das alles passieren?

Warum hast du mich nicht beschützt?

Wo warst du als ich dich gebraucht hätte?

Wo warst du als ich mein Baby wegmachen ließ?

Als ich die Vergewaltigungen über mich ergehen lassen musste?

Wo warst du,

als ich so krank war, dass ich mir selbst weh tat?

Als man mich schlug und würgte?

Mama, WO WARST DU?

Mama,

sag mir,

warum hast du mich nie beschützt?

Warum warst du nie für mich da?

Warum hast du das alles zugelassen und mir nicht geholfen?

Ich hätte dich so sehr gebraucht!

Hab dich so sehr geliebt!

Doch für dich war ich nicht existent.

Du hast immer nur an dich gedacht und damit alles zwischen uns kaputt gemacht.

Mama,

es tut mir leid

ich hab dich zwar lieb … irgendwie,

aber eine richtige Mutter warst du mir nie!

Mama,

es tut mir leid,

ich hab dich zwar lieb … irgendwie,

aber ich muss dir sagen,

als Mutter hast du VERSAGT

und das viele Male

UND DAFÜR HASSE ICH DICH!!!!

Diana D.

Gemeinsame Sache 28. Februar 2012

Posted by lehrergehrke in Der Kampf um Normalität.
Tags: , , , , , , , , , ,
add a comment

Geschwisterkinder werden in Pflegefamilien gemeinsam vermittelt, “weil sie ja niemanden sonst als sich selbst haben”. Pflegeeltern von Geschwistern stellen immer wieder fest, besonders zu Anfang der Pflege, dass die Kinder sich gegenseitig stützen, auch gegen die Pflegeeltern verbünden. Was wir allerdings erleben, ist die verkehrte Form des Verbündens.

Wir kehren vom Einkauf zurück. Alle Türen stehen offen. Frau Sossna, die Familienhelferin, unterstützt heute die Kinder mit den Schulaufgaben. Als wir herein kommen, finden wir sie und die Kinder stehend am Wohnzimmertisch, vor sich ihre Handtasche.

“Ist was passiert?”, erkundigt sich Ruth.

“Kann man wohl sagen”, antwortet Frau Sossna. “Ich war nur eben draußen am Auto, um meinen Kalender zu holen. Als ich zurück komme, finde ich meine Handtasche offen. Das Portemonnaie fehlt.”

Die Kinder senken ihre Köpfe.

“Wo ist das Portemonnaie?” frage ich scharf.

Jeannett verschwindet und kommt wenig später mit dem Portemonnaie wieder. Frau Sossna kontrolliert ihr Portemonnaie. Zwölf Euro bleiben verschwunden. Wir werden das Geld vom nächsten Taschegeld abziehen.

Die Sache hat sich, unserer Rekonstruktion nach, so abgespielt:

Frau Sossna geht zu ihrem Auto, um den Kalender zu holen. Das bekommen die Kinder mit. Jeannett stellt sich an die Eingangstür und schiebt Wache, während Susann das Portemonnaie aus der Handtasche holt. Jeannett kommt zurück und versteckt es in ihrem Zimmer.

Was wir heute erlebt haben, ist schon die Ausgeburt krimineller Energie. Natürlich besprechen wir die Sache mit den Kindern, aber die mauern. Es scheint, als ob der Rückfall in ihre alten, traumatischen Persönlichkeiten ausgerechnet zeitgleich stattgefunden haben und zusammengefallen sind.

Wir kennen keinen Weg, um solche Aktionen zu verhindern. Sie scheinen schicksalhaft über uns herein zu brechen. Auch andere, Pflegeeltern und Fachleute, mit denen wir reden, können uns nicht helfen.

So wollen wir arbeiten! 24. Februar 2012

Posted by lehrergehrke in Der Kampf um Normalität.
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , ,
add a comment

Alle Pflegeeltern sollten sich zu irgend einem Zeitpunkt darüber klar werden, auf welcher Grundlage sie für ihre Pflegekinder da sein wollen. Meist passiert das immer erst dann, wenn sich vielfältige Probleme einstellen: Mit dem Verhalten der Kinder, mit dem Jugendamt, mit den Therapeuten. Dennoch haben wir sie ganz klar formuliert:

Grundlagen für die erfolgreiche Pflege zum Wohl unserer Pflegekinder

  • Wir müssen davon ausgehen, dass beide traumatisiert sind. Die einschlägige Fachliteratur beschreibt als traumatische Erfahrung den Zustand, dass „von Eltern die elementarsten Bedürfnisse des Kindes nicht wahrgenommen und respektiert (wurden) und wenn das Kind von seinen Eltern überwältigt wird und sie dadurch als Schutzobjekt verliert.“
  • In diesem Sinne sind beide Pflegekinder mehrfach traumatischen Erfahrungen ausgesetzt gewesen, die in der Anwesenheit zum Zeitpunkt einer Straftat im Elternhaus gipfelten.
  • Insofern verfolgen wir das Ziel, für die Kinder nicht nur pflegerisch tätig zu sein, sondern auch als Ersatz für die Rolle der Eltern zu fungieren.
  • Es ist uns bewußt, dass es sich dabei um einen langen Prozess handelt. Wir sind uns ebenso bewußt, dass traumatisierende Eltern von ihren Kindern idealisiert werden, um den Konflikt zwischen Bindung an den Kindesvater und durch traumatisierende Eltern ausgehender als existenziell erlebter Bedrohung auszuhalten. (Vgl. Beitrag von Hardenberg, O., in der Tagumgsdukumentation der 16. Jahrestagung der Stiftung zum Wohl des Pflegekindes am 30.5.2005 in Magdeburg)
  • In diesem Zusammenhang vertreten wir die Interessen und das Wohl der Kinder. Es gehört nicht zu unseren Aufgaben, die Interessen der leiblichen Eltern zu vertreten und diese „’gut zu machen’ und die Realität vor den Kindern (und vor dem Kindesvater!, Anm. d. Autoren) zu leugnen.“ (Hardenberg, O., a.a.O.)
  • Wie Hardenberg (a.a.O.) beschreibt, wird der Aufarbeitungsprozess eines traumatisierten Pflegekindes in der Pflegefamilie durch Besuchskontakte mit leiblichen Eltern „in unverantwortlicher Weise gestört“ und eine kritische Distanzierung vom traumatisierenden Erwachsenen kaum möglich. Nach Hardenberg kommen Besuchskontakte „fast einer Retraumatisierung des Kindes gleich“. Diesen Prozess konnten wir besonders im letzten Jahr intensiv beobachten.
  • Wir fühlen uns durch Hardenberg in unserem Weg, „sich und ihren Weg mit dem Pflegekind offensiv (zu) vertreten“, bestätigt. (a.a.O.)
  • Ebenso fühlen wir uns darin bestätigt, finanzielle Mittel zur Weiterbildung zu beanspruchen.
  • Wir beobachten bei beiden Kindern klar die Dissoziation des Selbst, wie von Hardenberg beschrieben (a.a.O.), d.h. die Abspaltung der im Elternhaus und ggf. auch im Kinderheim gemachten Erfahrungen von Schutzlosigkeit und Trennung.
  • Um den Kindern eine Aufarbeitung dieser Erfahrungen zu ermöglichen, ist eine spezielle Therapierung ihrer Traumata und damit einher gehend die Bereitstellung der finanzellen Mittel unabdingbar. Die Frage danach, wie diese Mittel zur Verfügung gestellt werden können, hat hinter der Verfolgung des Wohls der Kinder zurückzustehen.
  • In diesem Zusammenhang hat ebenfalls jede Rücksichtnahme auf die Befindlichkeiten der leiblichen Eltern zurückzustehen. Daher kann auch nicht diskutiert werden, ob Leistungen nach Opferentschädigungsgesetz beantragt werden. Die Notwendigkeit ergibt sich aus der Verfolgung des Kindeswohls.
  • Da wir als Pflegeeltern Ziel der Übertragung kindlicher traumatischer Erfahrungen sind (Hardenberg, O., a.a.O.), müssen uns Möglichkeiten an die Hand gegeben werden, damit umzugehen und eine „’heilende Beziehung’“ (Hardenberg, a.a.O.) aufzubauen.

Was wir formuliert haben, scheint im Rahmen des normalen Menschenverstandes selbstverständlich. Für Jugendämter und Familienrichter ist es das keineswegs. Da werden die Herkunftseltern gut geredet, die positive Entwicklung gelobt und das Recht der leiblichen Eltern an ihren Kindern ins Feld geführt. Viel zu selten wird mit einbezogen, welche Schuld diese Menschen an ihren Kindern auf sich geladen haben, Kinder, die ein Leben lang an ihrer Traumatisierung in frühester Kindheit leiden werden. Regelmäßig wird ihnen zugemutet, Besuchskontakte auszuhalten, die in ihnen die alten Erlebnisse wieder auferstehen lassen, die sie notwendigerweise in Loyalitätskonflikte zwischen den Pflegeeltern und ihren leiblichen Eltern stürzen müssen. Kindeswohl sieht anders aus.

Mit unserem Wissen über die Details dessen, was unseren Pflegekindern angetan wurde und den Erfahrungen, die wir mit den Ämtern und Schulen gemacht haben, können wir für die Verursacher des Leides unserer Kinder kein Mitleid empfinden. Wir meinen, dass durch ihre Eltern traumatisierten Kindern die Chance für einen Neuanfang, eine neue Bindung an schützende Erwachsene und an die Wiedererlangung von Vertrauen gegeben werden muss.

Verschleiß 21. Februar 2012

Posted by lehrergehrke in Der Kampf um Normalität.
Tags: , , , , , , , , ,
add a comment

Pflegeeltern leben im ständigen Kampf. Pflegekinder haben meist kein Verhältnis zu materiellen Dingen. Alles unterliegt dem schnellen Verschleiß. Wir erfahren das immer wieder.

Besonders schlimm ist das bei Susann. Es betrifft nicht nur die Schulmaterialien. Stifte, Füller, Bücher, Hefter halten nur selten ein paar Wochen.

Als Susanns Lehrerin sich darüber beschwert, dass Susann im Sportunterricht nicht mitmachen könne, weil ihr Turnschuhe fehlen, antworte ich ziemlich patzig: “Tut mir leid, aber unser Vorrat an Turnschuhen ist gerade aufgebraucht. Wir müssen erst wieder welche besorgen.”

Ich glaube, sie hat es nicht verstanden.

Wir horten unglaubliche Mengen nicht nur an Turnschuhen, sondern auch an Federtaschen, Füllern, Buntstiften. So sind wir in der Lage, die Dinge zu ersetzen, wenn sie kaputt oder verloren gegangen sind.

Winterjacken halten nur ein paar Wochen, bis sie zerrissen oder verschollen sind. Mit Schuhen ist es dasselbe. Sie sind innerhalb von Tagen verdreckt und kaum mehr sauber zu bekommen. Schließlich löst sich in Monatsfrist die Sohle und sie sind nicht mehr benutzbar.

Wer Pflegekinder annimmt, muss mit Verschleiß rechnen. Ich kenne Pflegeeltern, die ihre Kinder mit dem Taschengeld dafür aufkommen lassen. Das ist für uns keine Alternative. Das Taschengeld wäre schneller alle, als die Dinge verschwinden oder unbrauchbar sind.

Andere Pflegeeltern kennen das Problem und kaufen nur noch im Second-Hand-Laden ein.

Als Pflegeeltern muss man ein Stück weit die eigene Sozialisation vergessen. Traumatisierte Kinder haben keine Beziehung zum Wert von Dingen. Sie können Schönes nicht Wert schätzen und passen nicht darauf auf. Sich in diese Gedanken hinein zu versetzen, fällt uns immer wieder schwer. Es nützt nicht, ihnen Vorwürfe zu machen. Sie kennen es nicht anders, besonders, wenn sie länger in einer Einrichtung untergebracht waren, wo alles allen gehört.

Widersprüche 19. Februar 2012

Posted by lehrergehrke in Der Kampf um Normalität.
Tags: , , , , , ,
add a comment

Pflegeeltern müssen mit Widersprüchen im Verhalten ihrer traumatisierten Pflegekinder leben, aber es ist nicht einfach. Was wir heute erleben, ist der bisherige Höhepunkt.

Ruth stellt fest, dass ihr Geld fehlt, dreißig Euro. Wir holen die Kinder.

“Ich vermisse dreißig Euro aus meinem Portemonnaie”, beginnt Ruth. “Weiß jemand von euch, wo sie geblieben sein könnten?”

Susann läßt den Kopf hängen. Wir wissen, was das bedeutet. Sie geht in ihr Zimmer und erscheint mit einem Zehn-Euro-Schein.

“Wo ist der Rest?”, will ich wissen. Jeannett sitzt auf ihrem Stuhl, die Hände ins Gesicht gepresst. Dann reißt sie die Augen auf und fährt Ruth an.

“Du brauchst mich gar nicht zu beschuldigen, ich hab sie nicht!”

Wir wissen inzwischen, wie das geht. Jeannett stiftet Susann an und dann macht sie mit ihr gemeinsame Sache. Dafür bekommt sie auch einen Teil. Aber wir haben es auch satt, zu diskutieren. Wir denken uns, die Kinder müssen doch mal begreifen, dass wir sie immer wieder erwischen und endlich mal verstehen, dass es keinen Sinn hat.

Eine Stunde später, während ich in meinem Büro sitze und arbeite, schiebt sich ein Zettel unter der Tür hindurch.

Was muss in diesem Kind vorgehen. Immer wieder tut sie Dinge, von denen sie genau weiß. dass sie nicht richtig sind. Sie versucht alles, um bei uns zu bleiben, aber sie schafft es nicht, einsichtig zu werden.

Es ist die dissoziative Persönlichkeitsstörung, die sie immer wieder etwas tun lässt, was ihre anscheinend normale Persönlichkeit nicht erinnert, den sie ihrem emotionalen, traumatisierten Persönlichkeitsanteil zuordnet. Auch Jeannett handelt so. Es sind kaum auszuhaltende Widersprüche in den Persönlichkeiten unserer Kinder. Pflegeeltern müssen das wissen und irgendwie damit klar kommen.

Tante Sarahs Geburtstag 17. Februar 2012

Posted by lehrergehrke in Der Kampf um Normalität.
Tags: , , , , , ,
add a comment

Traumatisierte Pflegekinder haben meist jede Bindung verloren. Weil sie von ihre Eltern vernachlässigt und missbraucht worden sind, übertragen sie diese Erfahrungen auf die gesamte Erwachsenenwelt. Die Pflegeeltern haben es schwer, wieder eine Bindung an ihre Familie herzustellen.

Wie oft haben wir die Befürchtung, dass es nie etwas werden wird, dass Susann und Jeannett wieder sicher gebunden sein werden. Aber wir haben manchmal die Hoffnung. Durch Dinge wie diesem schöpfen wir wieder Kraft:

Susanns Bild für Tante Sarahs Geburtstag

Da geht uns das Herz auf! Sie ist, so scheint es, in unserer Familie angekommen. Sie hat ein Zuhause gefunden. Wir sind überglücklich!

Eine vernünftige Lösung 14. Februar 2012

Posted by lehrergehrke in Der Kampf um Normalität.
Tags: , , , , , , , , ,
add a comment

Pfleltern haben die Pflicht, über Gesundheitsfragen des Alltags ihrer Pflegekinder zu entscheiden. Anders als leibliche Kinder aber sind Pflegekinder manchmal nicht in der Lage oder gewillt, Dinge zu verrichten, die ihrer Gesundheit dienen. Das betrifft in unserem Fall die Mundhygiene, also das Zähneputzen, das besonders wichtig ist, wenn sie eine Zahnspange tragen.

Heute ist Termin bei der Kieferorthopädin. Sie will sich einen eindruck über den Fortschritt der Behandlung und des Zustandes der Mundhygiene verschaffen.

Jeannett ist zuerst dran. Als die Ärztin ihr in den Mund schaut, verfinstert sich ihr Gesicht. Mit einer Sonde fährt sie über die Oberfläche der Zähne und zeigt ihr den Belag, den sie abgenommen hat.

“Jetzt sieh dir das mal an”, spricht sie Jeannett an, “wann hast du dir das letzte Mal die Zähne geputzt?”

“Heute morgen”, antwortet Jeannett verschämt.

“Das kann gar nicht sein”, ereifert sich die Zahnärztin. “Diese Belege sind mindestens drei Tage alt.”

Jeannett kneift ihre Augen zusammen. Sie hat keine Möglichkeit, gegen die Fachfrau und ihre Methoden anzukommen.

“Es gibt nur eine Möglichkeit”, wendet sie sich erneut an Jeannett, “du musst unbedingt deine Zähne putzen, wenn du die Zahnspange behalten willst. Willst du das überhaupt und kannst du mir das versprechen?”

Jeannett blickt vor sich hin und schüttelt den Kopf.

“So geht das nicht”, spricht mich die Medinzinerin an, “dafür kann ich keine Verantwortung übernehmen.”

Und nach einer langen Pause, wohl eine Antwort von Jeannett erwartend, zu mir gewandt:  “Wir brechen jetzt hier die Behandlung ab.”

Und zu Jeannett gewandt: “Du brauchst nicht mehr zu kommen.”

Dann untersucht sie Susann.

“Viel besser sieht es bei dir auch nicht aus, aber etwas besser. Ich schlage vor, dass wir die Behandlung für einen Monat unterbrechen. Das lässt sich auch verlängern. Dann machen wir eine neue Diagnose und du bekommst eine neue Spange.”

Das ist herb. Jeannett scheint es gar nicht zu berühren. Susann bekommt schon mit, dass sie noch einmal eine Chance bekommen hat.

Traumatisierte Kinder haben das Problem, dass sie an Regelmäßigkeiten nicht gewöhnt sind und sich sogar aktiv gegen notwendige Verrichtungen wehren, selbst, wenn sie wissen, dass es ihnen schaden kann. Die Disziplin aufzubringen, die das Tragen einer Zahnspange verlangt, ist eine nahezu nicht zu erfüllende Forderung. Sie leben in den Tag hinein und der Tag an sich beinhaltet so viele Anforderungen und Unsicherheiten, dass eine Zahnspange völlig dahinter zurück tritt.

Für Susann ist die Lösung eine Chance. Es ist vernünftig, ihr noch etwas Zeit zu geben, um sich zu entwickeln. Der Abbruch der Behandlung bei Jeannett ist zwangsläufig. Sie verweigert sich. Sie fühlt sich fremdbestimmt. Kein Therapeut der Welt würde unter dieser Voraussetzung eine Behandlung beginnen oder fortsetzen.

Höchste Zeit für Hilfen 3. Februar 2012

Posted by lehrergehrke in Der Kampf um Normalität.
Tags: , , , , , , , , , ,
add a comment

Pflegeeltern befinden sich manchmal in Situationen in denen es höchste Zeit für Hilfen ist. Wir wollen keine Einzelkämpfer sein, haben uns Unterstützung vom Pflegeelternverein gesucht. Wir durchblicken so langsam die Hintergründe. Damit scheinen wir dem Jugendamt etwas voraus zu haben.

Susann zeigt immer mehr Symptome von früherem Missbrauch und Vernachlässigung.  Immer wieder drückt sie Tintenpatronen aus, färbt damit ihre Wäsche und alles mögliche andere blau ein. Müll stapelt sich knietief in ihrem Zimmer. Wir vermuten einmal mehr sexuellen Missbracuh.

Wir haben einen Termin beim Jugendamt mit Frau Schilling. Sie stellt uns Frau Sossna vor, die die Einzelfallhilfe bei uns durchführen soll. Ihre Aufgabe soll sein, uns zu entlasten, indem sie sich wechselseitig um die Kinder kümmert, Hausaufgaben mit ihnen macht, mit ihnen zur Bibliothek geht und sich allgemein mit ihnen beschäftigt, so dass nicht immer wir die einzigen Bezugspersonen darstellen.

Danach besprechen wir mit Frau Schilling über die Traumatherapie. Ein Therapeut steht in den Startlöchern. Wir wollen ein gemeinsames Treffen mit ihm, Frau Schilling und Frau Meyer-Frankenfeldt.

“Ich habe mit Frau Meyer-Frankenfeldt telefoniert. Sie möchte kein Treffen mit einem anderen Therapeuten”, berichtet sie. “Damit ist ein Gespräch wohl fruchtlos. Es wäre besser, wenn Sie mit Frau Meyer-Frankenfeldt kooperieren würden.”

Es ist schon schlimm. Die Fachleute sind sich untereinander nicht einig und versuchen, ihre Pfründe zu schützen. Das Wohl der Kinder kommt bei ihnen nicht vor. Das Schlimmste, was ihnen passieren kann, sind Pflegeeltern, die sich informieren und eine eigene Meinung vertreten. Immer geht es um Geld. Geld, das das Jugendamt nicht zur Verfügung hat und deshalb billige Lösungen wie die Einzelfallhilfe den teureren wie einer Traumatherapie vorzieht. Geld, das Therapeuten generieren und auf das sie nicht verzichten wollen.

Wir wollen endlich die notwendige, richtige Hilfe für unsere Kinder! Sie sind keine Melkkühe! Sie haben schon genug Schlimmes erlebt in ihrer Kindheit, waren mit Eltern gestraft, die sie vernachlässigt und missbraucht haben! Helft ihnen endlich uneigennützig!

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 102 other followers