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Chaotische Zustände 30. Oktober 2009

Posted by lehrergehrke in Die Eskalation.
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Heute ist wieder so ein Tag. Susann verweigert alles und ist aggressiv. Sie weiß genau, wo sie uns packen kann, wie sie es anstellt, die Situation hoch zu schaukeln. Wir finden in ihrem Zimmer knietief Papier, bekritzelt, zerknüllt, mitten drin halb geleerte Quarkbecher und angebissene Stullen. Sie nimmt alles, was sie erreichen kann.

Die Situation ist chaotisch. Um ihr keine Chancen mehr zu geben, verschließen wir die Küchentür und öffnen sie nur zu den Mahlzeiten. Mein Büro ist verschlossen und meine Vorräte an Kopierpapier sind darin verborgen, ebenso wie meine Vorräte an Schreibpapier für den Schulunterricht der Kinder. Es muss immer wieder in unbeobachten Momenten geschehen.

Natürlich wissen wir, dass Kinder, die in ihrer frühesten Kindheit vernachlässigt wurden, sich Vorräte anlegen. Susanns Vorräte sind binnen einer Stunde verschwunden, wie groß sie auch immer sein mögen. Jederzeit kann sie uns fragen, ob sie das eine oder das andere haben darf. Und meistens bekommt sie es. Aber das ist uninteressant. Es scheint ihr der Kick zu fehlen, etwas Heimliches zu tun. Hat sie es getan, scheint die Verheimlichung uninteressant zu sein.

Wir können natürlich nicht alles verschließen. Der zweite Kühlschrank im Keller ist immer erreichbar. Den Vorratsschrank halten wir verschlossen. Einkäufe sind zum unplanbaren Risiko geworden.

Um zu verhindern, das Susann ihre Kleidung aus dem Schrank zerrt und bekritzelt und zerreißt, heben wir sie extra auf, so dass sie nicht selbst drankommt und teilen sie ihr zu. Ruth ist traurig und enttäuscht darüber, dass Susann die hübschen, eigens ausgesuchten Kleidungsstücke so behandelt. Schuhe sind innerhalb weniger Wochen völlig zerschlissen und unbrauchbar, daran haben wir uns gewöhnt.

Alles vergeblich. Susann geht jetzt an die Schränke im Schlafzimmer und Jeannetts Zimmer und holt sich, was sie meint, zu brauchen. Wir finden in ihrem Zimmer ein Nachthemd von Ruth und Unterhosen und einen BH von Jeannett. Wo soll das enden??

Es wird immer offensichtlicher. Susanns Zustand verschlechtert sich zusehends. Es muss eine sofortige Lösung her. Ich werde Kontakt zu Kliniken, Ärzten und Behörden aufnehmen. Wir brauchen dringend professionelle Hilfe.

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